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Zwei Schüler des Oberrhein-Gymnasiums Weil am Rhein verbrachten jeweils 2 ½ Wochen ihrer Sommerferien in einer Schülerakademie zur Begabtenförderung. Eine für beide besondere Erfahrung, die für sie viele neue Erkenntnisse und intensive Erlebnisse bereit hielt.

Mareike Walter aus der 10b wurde genauso wie Florian Sänger aus der Kursstufe 1 von ihrer Chemie-Lehrerin Annemarie Stephan für den Besuch der Akademie vorgeschlagen. Während es sich bei Mareike um die „ScienceAcademy Baden-Württemberg“ handelte, die ihr Ferienseminar auf dem Schulcampus des LSZU (Landeszentrum für Umwelterziehung) in Adelsheim abhielt, reiste Florian Sänger deutlich weiter nach Grovesmühle in den Harz zur Deutschen Schüler-Akademie.

Das Programm der Akademien richtet sich an „Schülerinnen und Schüler mit einer weit überdurchschnittlichen und breiten intellektuellen Befähigung sowie weitreichenden Interessen, verbunden mit einer schnellen Auffassungsgabe. Erforderlich sind auch eine hohe Anstrengung- und Leistungsbereitschaft sowie Motivation.“ (Internetseite der Deutschen Schüler-Akademie) Mareike Walter fasst das so: „Es geht bei den Bewerbern hauptsächlich darum, dass sie interessiert und bereit sind, selbständig zu arbeiten“. Dass beide, Florian und Mareike, angenommen wurden, ist auf jeden Fall nicht selbstverständlich, denn in der Regel erhält nur die Hälfte der Bewerber einen der Plätze, die numerisch limitiert sind, genderparitätisch vergeben werden und eine möglichst große geographische Streuung der Herkunftsorte der Teilnehmer berücksichtigen sollen; auch dürfen sich die verschiedenen Teilnehmer in einer Akademie nicht kennen, was die Zulassung von zwei Schülern der gleichen Schule ausschließt.

Was auf sie in den beiden Ferienwochen zukommen sollte, erfuhren beide OGW-Schüler dann schon in der jeweiligen Vorbereitungsphase: Während Mareike an einem Vorbereitungswochenende teilnahm, das zum Kennenlernen und Einarbeiten in die Grundlagen ihres Kurses diente, durfte Florian zur Vorbereitung einen Reader mit schwierigen Primärtexten durcharbeiten, in dem z.B. Texte von Thomas Kuhn oder Karl Popper enthalten waren, die sich alle mit dem von Florian gewählten Thema der Erkenntnis- und Wissenschaftstheorie befassten: Wie funktioniert Erkennen, wie Wissenschaft? Was ist Wahrheit und ist sie zu erkennen?

Mareike hingegen erhielt ein Thema aus der Biologie zugeteilt: Ziel ihrer Kursgruppe war es, Forschungen im Bereich der Abwehrmechanismen von Pflanzen anzustellen, mit dem Ziel, Pflanzenschutzmittel gegen Pilze zu entwickeln.

Das Prinzip der Kurse war dabei für beide gleich: Mehrere Sachgebiete standen zur Auswahl, nach einer Vorwahl durch die Teilnehmer wurden diese dann in einen der von ihnen gewünschten Kurse eingeteilt. Gemeinsam mit 10 bis 15 weiteren Schülern durften sie dann zwei Wochen lang selbständig und eigenverantwortlich forschen, denken, diskutieren und probieren.

„Man konnte extrem viel machen und hat wirklich gutes Material zur Verfügung bekommen“, benennt Florian die Forschungsfreiheit, die ihn begeisterte. „Mit gleichgesinnten und hochmotivierten Leuten konnte man Sachen ausprobieren und tüfteln. Alle waren total offen und nett zueinander.“

Ähnlich ging es Mareike: „Wir haben einfach gemeinsam geforscht, ohne dass uns jemand vorgeschrieben hätte, was wir wann zu tun haben. Es war megaschön, eigenständig zu recherchieren, unsere Versuche zu planen und durchzuführen. Natürlich waren auch die Kursleiter zur Stelle, die wir fragen konnten, aber meistens lautete ihre Antwort: ‚Ja probier‘s doch aus.‘“

Und selbst wenn wissenschaftliche Arbeit zu „90 Prozent aus Problemen und zu 10 Prozent aus Lösungen“ besteht, wie man es Mareike gesagt hat, so gelangten die Teilnehmer am Ende doch „zu einem Ergebnis, auf das man stolz sein konnte“.

Neben dem wissenschaftspropädeutischen Aspekt stand aber auch die gemeinsame Aktivität außerhalb der Kurszeiten im Mittelpunkt: In so genannten „kursübergreifenden Angeboten“ (KüA) konnten die Kursteilnehmer Aktivitäten aus den Bereichen Sport, Musik und Theater wählen, die von Profis geleitet wurden, oder selber eine Beschäftigung anbieten, sodass ein abwechslungsreiches Freizeitprogramm geboten war, das vom Engagement und Gemeinschaftsgeist der Teilnehmer lebte und ihren Zusammenhalt verstärkte. Auch die Abendgestaltung ließ keine Langeweile aufkommen: Ob bei einem gemeinsamen Hausmusik- bzw. Jazzband-Abend oder bei einem wissenschaftlichen Vortrag über die Relativitätstheorie aus mathematischer Sicht, immer standen Gemeinschaft und Freude am Verstehen im Vordergrund. „Es waren zwei intensive Wochen: viel Programm und wenig Schlaf“, bringt es Florian auf den Punkt.

Zum Ende dieser intensiven Zeit fand dann eine Abschlusspräsentation statt, bei der auch die Eltern der Teilnehmer sowie die Geldgeber anwesend waren. In einem offiziellen Teil wurden ihnen die Ergebnisse der einzelnen Kurse vorgestellt, bevor diese offiziellen Personen verabschiedet wurden und die Feier in einen ‚inoffiziellen‘ Teil überging, in dem die Teilnehmer unter sich waren und die beiden gemeinsamen Wochen ausklingen lassen konnten.

Auf die Frage, was ihnen diese zwei Wochen für ihren Schulalltag oder auch ihre Berufswahl gebracht haben, lächeln beide: „Natürlich ging der Stoff weit über den Schulstoff hinaus“, so Mareike. „Aber die Art, selbständig zu arbeiten, der damit verbundene Erwerb von Selbstbewusstsein, aber auch ‚soft skills‘ wie Präsentationstaktiken haben mir schon jetzt viel gebracht.“

Auch für Florian steht der unmittelbare Nutzen nicht im Vordergrund: „Toll war die Beschäftigung mit dem Thema, das Kennenlernen der philosophischen Methodik“. Dadurch wurden seine bisherigen Berufspläne ins Wanken gebracht, allerdings in positiver Hinsicht: „Warum nicht Philosophie studieren statt etwas Technisches? Jedenfalls geht mein Blick jetzt in noch ganz andere Richtungen...“

Freude am Forschen und am Denken, um des Forschens und Denkens willen – dass sie zweieinhalb Wochen ihrer Ferienzeit dafür geopfert haben, scheint keinen von beiden zu stören.

 

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